Über die Grenzen der EU hinaus
21.10.2026
Wie blicken die Beitrittskandidaten Ukraine, Moldau und Georgien auf die Europäische Union? Und wie sieht die mediale Berichterstattung zu Europa in Ländern aus, die zwischen der Hoffnung auf eine zügige Aufnahme in die Staatengemeinschaft, weitreichenden Reformbemühungen und politischen Rückschlägen schwanken? Diese Fragen erforscht das Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus derzeit in einem Projekt, das noch bis Ende März 2027 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird.
Zusammen mit Partnern der Mohyla School of Journalism in Kyiv, der School of Journalism from Moldova in Chisinau sowie der Caucasus School of Media und dem Georgian Institute of Public Affairs in Tiflis erstellt das EBI-Team um Projektkoordinatorin Prof. Susanne Fengler und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Richard Brandt ein weiteres Modul für die bereits etablierte interaktive E-Learning-Plattform „COPE“ (Covering Cohesion Policy in Europe). Der Onlinekurs umfasst derzeit 14 Module zur europäischen Berichterstattung, mit einem inhaltlichen Fokus auf der EU-Kohäsionspolitik, und wurde von Journalistenschulen und -universitäten in allen 27 EU-Mitgliedstaaten gemeinsam entwickelt sowie in alle 24 Amtssprachen der Europäischen Union übersetzt. Er richtet sich primär an Journalismusstudierende in ganz Europa, ist aber auch für Journalist:innen, Medienhäuser, Trainer:innen und die interessierte Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich. Die Plattform wurde bereits im vergangenen Jahr um ein weiteres Modul zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Erkennung und Bekämpfung von Desinformation erweitert.
Anfang 2027 soll nun ein weiterer neuer Baustein folgen, der über die Grenzen der Europäischen Union hinausblickt. Inhaltlich startet Modul 16 mit einer Einführung in die drei EU-Beitrittskandidaten Ukraine, Moldau und Georgien, um ihre Geschichte, Kultur sowie landeseigenen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen besser kennenzulernen. Anschließend schlüsselt das Modul den teils langwierigen EU-Aufnahmeprozess am Beispiel der drei Länder mittels vieler Grafiken, Übungen und leicht verständlichen Hintergrundinformationen auf. Es beleuchtet dabei insbesondere die damit zusammenhängenden Herausforderungen für die mediale Berichterstattung und nationalen Mediensysteme. Den Abschluss bildet jeweils eine Case Study aus der Ukraine, der Republik Moldau und Georgien, die sich mit verschiedenen Themen rund um den Angriffskrieg Russlands und der Bekämpfung von Desinformation befassen.
Die inhaltliche Entwicklungsphase hat das Projektteam vor Kurzem abgeschlossen. Derzeit werden die Inhalte in die COPE-Plattform integriert und sollen spätestens im kommenden Frühjahr 2027 vollständig online zur Verfügung stehen. Erste Pilot-Teachings des neuen Moduls finden diesen November in der Ukraine (online), im Dezember in Georgien und voraussichtlich im kommenden Februar oder März 2027 in der Republik Moldau an den Partnerinstitutionen und weiteren Hochschulen statt.

